DIE PÄDAGOGISCHE PRAXIS

Die Eingewöhnungsphase

Unsere Eingewöhnungsphase orientiert sich am Berliner Eingewöhnungsmodell.

Besonders wichtig ist uns eine frühe Aufklärung der Eltern in Bezug auf die Eingewöhnung. Diese sollte mehrere Wochen im Vorfeld stattfinden, damit die Eltern sich darauf einstellen können, eventuell während der Eingewöhnungsphase ihres Kindes Urlaub  nehmen zu können.

Um das Kind optimal eingewöhnen zu können, besucht ein Elternteil mit Kind im Vorfeld die Einrichtung zunächst an mehreren Nachmittagen gemeinsam. Zuerst baut die Erzieherin ein vertrauensvolles Verhältnis zur Mutter oder dem Vater auf. Hierbei wird das Kind noch nicht von den Eltern getrennt. Es beobachtet den Umgang zwischen Mutter, Vater und Erzieherin.

Im Verlauf der Eingewöhnungsphase wird das Elternteil immer passiver,  sodass die Erzieherin die Möglichkeit hat, langsam mit dem Kind in Kontakt zu treten. Die Mutter oder der Vater zieht sich in der Folge immer mehr zurück und verlässt nach einiger Zeit auch die Einrichtung für einen kurzen Zeitraum.  Dieser Zeitraum wird schließlich immer weiter ausgedehnt.

Die Eingewöhnungsphase kann je nach Kind mehr oder weniger Zeit in Anspruch nehmen. Uns ist wichtig, im Bezug auf die Eingewöhnung individuell auf das einzelne Kind einzugehen.

Unser U3 Raum (2016)

Besonderheiten in der U3 Betreuung
Besonders wichtig für Kinder unter 3 Jahren ist eine Bezugsperson. Diese dient als fester Bindungspartner, der das Kind sowie die Eltern von der Eingewöhnungsphase an durch die ersten Monate im Kinderhaus begleitet. Die sichere Bindung zum Erzieher ist die Grundvoraussetzung für das Kind, um sich auf  die neue  Situation in der Tageseinrichtung einzulassen.

Durch gezielte Beobachtung und Vorabinformationen durch die Eltern kann der Erzieher genau auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes eingehen und es in seiner Entwicklung unterstützen.
Des Weiteren steht der Erzieher stets im engen Kontakt zu den Eltern, um sie über das tagesaktuelle Geschehen sowie  über die  einzelnen Entwicklungsfortschritte ihres Kindes zu informieren.

Der Tagesablauf der unter Dreijährigen unterscheidet sich auch von dem der älteren Kinder. Sie benötigen mehr Körperkontakt, die räumliche Nähe zum Erzieher, und sie haben einen größeren Bewegungsdrang. Hierzu wurde der Nebenraum der Gruppe umgestaltet und mit verschieden hohen Podesten ausgestattet, die den Kindern zum Klettern und Krabbeln dienen. Hier können sie ihren erhöhten Bewegungsdrang ausleben.

Je nach Bedarf gehen die Kinder mehrmals wöchentlich mit einer Erzieherin in einen besonderen U3 Raum. Dieser Raum liegt etwas abseits des Gruppenraums und dient den Kindern als Rückzugsmöglichkeit. Hier gibt es besonders auf ihre Bedürfnisse angepasstes Spielmaterial, wie z.B. große Bausteine, Holzfahrzeuge und eine Kuschelecke, die mit Büchern ausgestattet ist. Außerdem werden kleine altersentsprechende Angebote und Singkreise in der altershomogenen Gruppe angeboten.

Jüngere Kinder ermüden schneller und haben die Möglichkeit, sich früher auszuruhen oder evtl. sogar zwischendurch zu schlafen.

Das Wickeln
In unserem Wickelraum, der entsprechend der Bedürfnisse der Kinder mit einer Wickelkommode zum Selbsthinhaufsteigen und einer besonders kleinen Toilette ausgestattet ist, werden die Kinder mehrmals täglich von den Erziehern der jeweiligen Gruppe gewickelt. Hierbei gehen wir individuell auf Bedürfnisse und Wickelrituale der einzelnen Kinder ein.

Der Wickelraum

Der Stuhlkreis (2016)

Partizipation
Ein wesentlicher Bestandteil unserer Pädagogik ist die Erziehung der Kinder zur größtmöglichen Selbstständigkeit. Die Kinder lernen schon früh Wünsche und Ängste  zu äußern, in verschiedenen Bereichen mitzubestimmen und ihren Alltag selbst mitzugestalten.

Dieses geschieht im Kinderhausalltag sowie in Gesprächsrunden wie zum Beispiel im Stuhlkreis.
Hier besprechen wir regelmäßig mit den Kindern, welche Regeln für das Zusammenleben in der Gruppe notwendig sind, zum Beispiel wie man mit Spielmaterial in der Puppennecke oder dem Bastelmaterial umgeht.

In ausgewählten Bereichen haben die Kinder auch die Möglichkeit, mithilfe ihrer Abstimmkarte abzustimmen, und lernen somit erste Grundsätze von Demokratie kennen.
Die Kinder können beispielsweise abstimmen, wie die Fenster ihrer Gruppe gestaltet werden oder was es in nächster Zeit besonderes zusätzlich zum Frühstück gibt.

Auch bei kreativen Angeboten können die Kinder zwischen verschiedenen Techniken wählen. So wählen sie beispielsweise aus, welche Laterne sie für sich basteln möchten oder was sie ihren Eltern zu Mutter- bzw. Vatertag schenken möchten. Hierbei gibt es immer mehrere Alternativvorschläge, aus denen sie wählen können. Auch ihre Schultüte basteln die Kinder mit Unterstützung eines Erziehers nach ihren eigenen Vorstellungen selbst.

Besonders am eigenen Geburtstag stehen die Kinder im Mittelpunkt. So darf das Geburtstagskind seine eigene Feier selbst gestalten. Es wählt aus, welche Spiele wie lange gespielt werden, welche Lieder gesungen werden und welche Kinder mitspielen sollen.

Damit das gelingen kann, beobachten wir die Kinder genau, um herauszufinden welche Ängste, Wünsche und Interessen sie aktuell haben und versuchen diese durch aufmerksames Nachfragen herauszufinden und gemeinsam mit ihnen zu bearbeiten.

Sozialerziehung/Freispiel

Mit Eintritt in das Kinderhaus lernt das einzelne Kind zum ersten Mal sich in einer größeren Gruppe zurechtzufinden.
Dies vollzieht sich im täglichen Zusammenleben ebenso wie im Spiel und bei anderen Aufgabenstellungen.
Unter dem Aspekt des sozialen Lernens bietet die altersgemischte Gruppe ein soziales Umfeld an, in dem die Kinder vielseitige Erfahrungen machen können.

Ein Kind, das sich in einer Gruppe aufgenommen fühlt, kann sein soziales Verhalten entfalten. Es wird zunehmend selbstständiger und lernt seine Gefühle und Bedürfnisse zu äußern, Ja und Nein zu sagen, sich in die Gruppe angemessen mit einzubringen und sich für seine Gruppe mitverantwortlich zu fühlen.
Die Kinder lernen untereinander Absprachen zu treffen und sich an allgemeine Gruppenregeln zu halten, die das Zusammenleben in der Gruppe erleichtern.
Es entwickelt außerdem Verständnis für das Verhalten anderer Kinder und es lernt sie zu tolerieren. Das Kind wird zunehmend kritikfähiger.

In den einzelnen Spielbereichen wie beispielsweise der Bauecke oder Puppenecke lernen die Kinder sich untereinander abzusprechen. Sie stimmen zum Beispiel ab was gespielt wird, wer mitspielen darf und wer welche Rolle einnimmt.

Am Frühstückstisch lernen die Kinder sich gegenseitig zu helfen, indem sie bestimmte Nahrungsmittel anreichen oder anderen beim Eingießen der Getränke behilflich sind.
Sie lernen Verantwortung für ihren eigenen Platz am Tisch zu übernehmen, indem sie ihn wieder für den Nächsten herrichten.

Im Stuhlkreis lernen die Kinder durch Spiele vor der Gruppe im Mittelpunkt zu stehen. In Gesprächsrunden lernen sie eigenes Erlebtes oder  Geschichten sowie Probleme zu besprechen.
Hierzu ist es wichtig sich ins Gespräch einzubringen, den Anderen aussprechen zu lassen und abwarten zu können.

Durch Gesellschaftsspiele lernen die Kinder miteinander zu spielen. Außerdem übernehmen sie Verantwortung für das Spielmaterial, durch das Sortieren, Überprüfen auf Vollzähligkeit und das Wegräumen.

Im Allgemeinen lernen die Kinder während ihres Kindergartenalltages Hilfe anzunehmen oder zu leisten.
Die Kinder lernen mit der Zeit Situationen differenziert zu schildern. In Konfliktsituationen lernen sie die Hilfe des Erziehers in Anspruch zu nehmen und Konflikte immer mehr selbstständig verbal zu lösen.

Freies Spielen (2016)