MARIA MONTESSORI

Kurzbiographie

31. August 1870

Maria Montessori wird in Chiaravalle bei Ancona/ Italien geboren.

 

1884

Montessori besucht die technische Hochschule für Knaben in Rom.

 

1896

Montessori promoviert als eine der ersten Frauen Italiens zum Doktor der Medizin und wird Assistenzärztin an der psychiatrischen Universitätsklinik in Rom. Im Umgang mit den geistig behinderten kleinen Patienten erkennt sie den Tätigkeitsdrang und Eigenantrieb, der allen Kindern zu Eigen ist. Sie ist der Überzeugung, dass das Problem dieser Kinder in erster Linie ein pädagogisches und nicht ein medizinisches ist

 

1898-1900

Maria Montessori leitet zusammen mit einem Kollegen als
Direktorin ein heilpädagogisches Heim in Rom. Dort entwickelt sie Sinnesmaterialien, die in einer Kombination mit einer von ihr besonders entwickelten Methode zu großen Lernerfolgen bei den Kindern führen.

 

1899

Maria Montessori beginnt ein Studium der Psychologie und Philosophie an der Universität in Rom.

 

1904-1908

An der Universität von Rom erhält Maria Montessori einen Lehrstuhl für Anthropologie.

 

1907

Maria Montessori überträgt ihre Methode auf normal begabte Kinder im vorschulpflichtigen Alter und übernimmt die Leitung eines “casa de bambini” (Kinderhaus) in einem slumähnlichen Viertel Roms.

 

1908

Sie legt die Ergebnisse ihrer teilnehmenden Beobachtung und der darauf aufbauenden Prinzipien erstmals schriftlich nieder. Von nun an widmet sie sich der Ausbildung von Pädagogen.

 

1909

Teilnehmer aus aller Welt besuchen ihre Kurse, und in vielen Ländern werden Montessorieinrichtungen gegründet

 

1935

Während der Zeit des Faschismus in Deutschland, Italien und Spanien sind Montessorieinrichtungen verboten, ebenso in kommunistischen Ländern.

 

1939

Als der zweite Weltkrieg ausbricht, befindet sich Maria Montessori mit ihrem Sohn in Indien, wo sie Kurse erteilt. Während des Krieges wird sie zwar von den Allierten in Indien interniert, darf allerdings Kurse abhalten und ihre Forschung fortführen. Dort bleibt sie fast sieben Jahre und bildet mehr als 1000 Montessorilehrer aus.

 

1946

Nach Ende des Krieges kehrt Maria Montessori mit ihrem Sohn nach Europa zurück. Sie ist jetzt bereits 75 Jahre alt, hält aber trotz ihres hohen Alters in einigen Ländern noch selbst Kurse ab. Es werden viele neue Montessorischulen gegründet und Maria Montessori wird internationl geehrt und für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

 

1952

Am 06. Mai 1952 verstirbt Maria Montessori in Noordwijk aan Zee / Niederlande.

GRUNDGEDANKEN

Die Pädagogik Maria Montessoris ist geprägt durch die Reformpädagogik zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
„Die Bewegung vom Kinde aus“ stellte erstmals die Person des Kindes ganzheitlich in den Mittelpunkt.
Die Erwachsenen haben die Aufgabe eine „vorbereitete Umgebung“ zu gestalten, die es dem Kind ermöglicht selbst tätig zu werden.

Das Kind ist „Baumeister seiner selbst“.
Das Kind leistet seinen Persönlichkeitsaufbau nach Montessoris Annahme überwiegend auf selbständige Weise.
„Das ganze unbewusste Streben des Kindes geht dahin, sich durch die Loslösung vom Erwachsenen und durch Selbständigkeit zur freien Persönlichkeit zu entwickeln.“
Alle Möglichkeiten zur Entfaltung seiner Persönlichkeit sind dem Kind bereits angeboren.
Montessori betonte, dass sich diese Entfaltung nach einem individuellen Plan richtet und zwar in einem Tempo, das vom Kind und nicht vom Erwachsenen bestimmt werden soll.

„Hilf mir, es selbst zu tun!“
So lautet ein Leitsatz von Maria Montessori.
Das Kind folgt seinem individuellen Entwicklungsplan, unterstützt durch eine sinnvoll vorbereitete Umgebung.
Das Kind erhält durch den Erzieher so viel Anleitung wie nötig, um zum selbsttätigen Handeln kommen zu können.
Dieses dient als Basis zur Entwicklung von Ausdauer, Konzentration, Selbstständigkeit und Verantwortungsgefühl.

Aus der Sicht des Kindes heißt dies:
„Zeig mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es selbst tun.
Hab aber auch Geduld, meine Wege zu begreifen. Vielleicht sind sie länger und ich brauche mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will.
Ich möchte üben. Die Fehler, die ich mache, werde ich erkennen. Das Material zeigt es mir selbst.“

Sensible Phasen
Als sensible Phasen bezeichnet Maria Montessori Perioden in denen Kinder besonders empfänglich für Lerninhalte sind.
Sie sind während dieser Phase fähig sehr schnell zu lernen und einen intensiven Zusammenhang zwischen sich und der Umwelt herzustellen.
In diesen Phasen werden bestimmte Lernaufgaben mit einer nie mehr erreichbaren Leichtigkeit bewältigt.
Der Erzieher beobachtet die Kinder genau, um das Auftreten einer solchen Phase zu erkennen und das Kind dementsprechend fördern zu können.

Zum Beispiel tritt bei vielen Kindern die Phase für das Erlernen von Buchstaben schon vor dem Schuleintritt im Alter von etwa 4-5 Jahren auf. Während dieser Phase lernen die Kinder sehr schnell die einzelnen Buchstaben und beginnen erste Worte zu lesen.

Polarisation der Aufmerksamkeit
Mit Polarisation der Aufmerksamkeit meint Maria Montessori eine Konzentration der ganzen Aufmerksamkeit des Kindes auf eine Sache oder Arbeit. Das Kind setzt sich sehr intensiv und über einen längeren Zeitraum mit einem bestimmten Material oder Spiel auseinander und lässt sich dabei durch nichts ablenken.
Teilweise wiederholt es eine bestimmte Übung mehrmals. Hierdurch ergibt sich ein nachhaltiger Lerneffekt.
Die Polarisation der Aufmerksamkeit wird durch die vorbereitete Umgebung begünstigt.

Die „Vorbereitete Umgebung“
Die vorbereitete Umgebung sollte so eingerichtet sein, dass das Kind Anregungen, Bestätigung und Lernanlässe vorfindet, die seinen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Sensibilitäten entsprechen.
Diese sollte für Kinder überschaubar sein und sie zum selbstständigen Handeln auffordern.
Der Gruppenraum ist nach Themengebieten in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Die Materialien bauen aufeinander auf, bieten eine variantenreiche Anwendung und ermöglichen eine Wiederholung der Aufgaben.
Sie befinden sich in offenen Regalen auf Kinderhöhe und haben so einen besonderen Aufforderungscharakter.
Durch eine solche Umgebung wird das Kind tätig und gelangt dadurch zu einer größtmöglichen Selbstständigkeit.